top of page

Resilienz bezeichnet zunächst in der Entwicklungspsychologie die Widerstandsfähigkeit von Kindern, sich trotz belastender Umstände und Bedingungen normal zu entwickeln. Ganz allgemein betrachtet ist Resilienz die Fähigkeit von Menschen, auf wechselnde Lebenssituationen und  Anforderungen in sich ändernder Situationen flexibel und angemessen zu reagieren und stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Situationen ohne psychische Folgeschäden zu meistern, d.h., solchen außergewöhnlichen Belastungen ohne negative Folgen standzuhalten. Individuelle Unterschiede in der Resilienz können dann erklären, warum es bei manchen Menschen trotz vergleichbarer Belastung nicht zu solchen Folgen kommt, womit das Thema Resilienz im weitesten Sinn zum Themenbereich der Positiven Psychologie gerechnet werden kann. Die Ursprünge der Resilienzforschung gehen in die 1950er-Jahre, in denen die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner eine Studie auf der hawaiianischen Insel Kauai begann, in der sie vier Jahrzehnte lang 698 Jungen und Mädchen beobachtete, deren Chancen auf ein erfolgreiches Leben durch Armut, Vernachlässigung und Misshandlung schlecht waren. Nicht selten waren die Ehen der Eltern zerrüttet, Geld fehlte, viele Väter waren süchtig nach Alkohol. Doch am Ende aber gab es eine große Überraschung, denn traditionellerweise hätte man den Kindern ein desaströses Schicksal vorausgesagt, doch seit dieser Langzeitstudie klar: Auch wenn die Startbedingungen noch so schlecht sind, meistern manche Menschen ihr Leben gut. Ein Drittel der Kinder von Kauai wuchs zu selbstbewussten, fürsorglichen und leistungsfähigen Erwachsenen heran, die im Beruf wie in persönlichen Beziehungen bestanden. Die starken Kinder von Kauai hatten etwas, das die anderen nicht hatten: Es gab zumindest eine liebevolle Bezugsperson, die sich um sie kümmerte, wobei die Vertrauensperson nicht unbedingt Mutter oder Vater sein muss, sondern auch eine Tante, ein Lehrer, eine Nachbarin können diese Rolle füllen. Werner fasste ihre Ergebnisse in drei protektiven Faktoren zusammen.

Eine durchschnittliche Intelligenz und ein Temperament, das sich positiv auf Lehrer und Eltern auswirkt. In diesem Zusammenhang wird auch eine gewisse Robustheit, Energie und ein sozial verbindliches Wesen genannt, denn  Kinder, die diese Eigenschaften besitzen, erhalten mehr positive Zuwendung von ihren Eltern oder Bezugspersonen.
Eine emotionale Bindung an die Eltern oder Ersatzbezugspersonen, die die Kinder zu Vertrauen und Selbstständigkeit ermutigten, was seinerseits die schulischen Fähigkeiten beeinflusste. Darunter fiel auch die Überzeugung der Kinder, selbst für ihre Erfolge verantwortlich zu sein. Durch diese Überzeugung gelingt es den Heranwachsenden, aktiv auf widrige Umstände zu reagieren und auch Menschen aufsuchen, die Ihnen Rat geben.
Die Unterstützung von Seiten der Gesellschaft, die haltgebende Werte vermittelt, wobei vor allem die Schule einen starken Einfluss auf die Bildung der Resilienz der Kinder hat, indem sie die Kompetenzen der Kinder anerkennt und belohnt. In diesem Aspekt zeigt sich die Verantwortung der Gesellschaft in Bezug auf die Bildung resilienter Fähigkeiten bei Kindern, sodass durch das Erkennen des Zusammenhangs von Anerkennung und Förderung der Stärken der Kindern ein erheblicher Beitrag zur präventiven Gesundheitsförderung geleistet werden kann.

Wichtig ist es, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, denn jemand muss ihnen Geborgenheit geben, ihre Fortschritte anerkennen, ihre Fähigkeiten fördern und sie unabhängig von Leistung und Wohlverhalten lieben. Resilienz entsteht meist früh, lässt sich aber auch im späteren Leben noch erlernen. Man sollte sich dabei aber nicht zu viel zuzumuten, aber durchaus einigen Anforderungen stellen, denn an den Erfolgen lernte man, dass schwierige Aufgaben zu meisternsind. Und wer von Anfang an auch Scheitern einkalkuliert, der lernt auch aus Misserfolgen, ohne diese nur negativ zu sehen. Auf diese Art wächst man an seinen Aufgaben, denn seelisch Starke klammern sich nicht an bestimmte Lebensentwürfe oder Vorstellungen, sondern betreiben „flexible Zielanpassung“. Ein Ziel wird hartnäckig verfolgt, aber nur solange, bis sich herausstellt, dass es zwecklos ist. Der Begriff der Resilienz („resilire“ bedeutet „zurückspringen“ oder „abprallen“) stammt ursprünglich aus der Physik und bedeutet dort so viel wie „in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren“, wobei damit die Eigenschaften von Materialien beschrieben werden, elastisch und flexibel auf äußere Einwirkungen zu reagieren und dabei dennoch ihre Form zu bewahren. Die Resilienzforschung richtet ihren Blick auf die seelischen Widerstandskräfte und Ressourcen von Menschen.

Zu Beginn der Resilienzforschung wurde Resilienz mit dem doch sehr unrealistischen Menschenbild der „Unverletzlichkeit“ (siehe dazu Vulnerabilität) gleichgesetzt, doch inzwischen betonen Wissenschaftler, dass seelische Widerstandskraft nicht durch bestimmte Charaktereigenschaften gekennzeichnet ist, sondern sich vielmehr in einem komplexen Wechselspiel zwischen Risiko- und Schutzfaktoren entfaltet, und demnach eine höchst individuelle Angelegenheit darstellt und bis zu einem gewissen Grade erlernbar ist. Es sollte beim Konzept der Resilienz beachtet werden, dass sich Resilienz nicht trotz widriger Umstände wie Armut, Verlusterfahrungen oder sexueller Gewalt entwickelt, sondern in erster Linie auf Grund der Herausforderungen, die diese negativen Bedingungen für die Entwicklung eines Kindes haben und mit denen es sich notgedrungen auseinandersetzen muss. Wesentlich sind dabei das Vorhandensein von Schutzfaktoren im Umfeld, auf die das Kind zurückgreifen kann, und ein Umfeld, in dem sich dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozesse vollziehen können. Resilienz kann aber auch situationsspezifisch entwickelt werden, denn Kinder, die in einem konflikthaften Elternhaus aufwuchsen, erweisen sich etwa in ihrer schulischen Kompetenz als widerstandsfähig, blieben sich aber in ihrer sozialen Kompetenz höchst verletzlich. Es sollte daher nie vergessen werden, dass Resilienz nur eine zumeist zeitlich begrenzte, von verschiedenen Schutzfaktoren gespeiste psychische Widerstandsfähigkeit oder Bewältigungskapazität ist, also nicht in allen Lebensbereichen in gleichem Maße sichtbar wird.
 

Mobbing?

Was gibt es für Probleme? Hast Du Ärger in der Schule? Oder mit den Lehrern? 

IMG_6825 (1).JPG

Success! Message received.


Wenn die Kinderbetreuung für die ersten Lebensjahre heutzutage immer mehr ausgebaut wird, dann muss aber dafür gesorgt sein, dass die Kinder auch unter diesen Umständen ein stabiles Bindungsmuster ausbilden könnten, das ihnen im späteren Leben bei der Bewältigung von Krisen hilft. Denn nach Ansicht von Experten erhält jeder Mensch erst durch seine individuelle Biographie sein ganz persönliches neuronales Netzwerk, denn der Mensch wird nicht entweder nur durch seine Anlagen oder nur durch seine Umwelt geprägt, sondern aus dem Zusammenspiel beider. Die menschliche Gehirnarchitektur folgt einem genetisch angelegten Bauplan, der durch frühe Erfahrung und Lerneffekte stark modifizierbar ist, wobei der wichtigste Input dafür die Bindungsqualität zwischen Mutter und Kind bzw. einer ähnlich stabilen Beziehung zu einer anderen Person darstellt. Negative Erfahrungen in dieser Entwicklungsphase hinterlassen Stressnarben im Gehirn, wobei es manchen Menschen zwar gelingt, Resilienz zu entwickeln, also die Fähigkeit, trotz belastender Faktoren in der Lage zu sein, Frustrationen zu überwinden, doch auch diese lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erlernen, wobei es sich in den frühen Jahren entscheidet, ob ein Mensch später beziehungsfähig wird und seine Affekte angemessen kontrollieren kann. Die Resilienzfaktoren im Kindes- und Jugendalter entwickeln sich laut Noeker & Petermann (2008) vorwiegend auf folgenden vier Ebenen:

personale Kompetenzen des Kindes, wie Stressverarbeitung, Selbstregulation, Motivation, Lernen,
Kompetenzen des Familiensystems, worunter Bindung, Interaktion und Erziehung fällt,
Ressourcen des sozialen Netzwerkes (Schule, Gleichaltrige) und
gesellschaftlich-kulturelle Faktoren, wie Normen und Werte.
Die biologischen Einflussfaktoren können die Impulskontrolle, die Handlungsplanung und die Emotionsregulation ebenfalls stark beeinflussen, genauso wie auch die Vermittlung beruflicher Perspektiven und Integration. Manche Stressforscher orten einen wesentlichen Anteil der Residenz in den Genen, denn Menschen, die sich wie auch Versuchstiere an eine sich schnell ändernde Umwelt gut anpassen können, zeigen ein anderes epigenetisches Muster in den Stressverarbeitungszentren ihres Gehirns. Auch unter Versuchstieren gibt es immer wieder Tiere, die sich nicht so sehr von aggressiven Mitbewohnern einschüchtern lassen, die den Geruch ihres ärgsten Feindes wegstecken und trotzdem noch für die Gemeinschaft da sind.

Resilienz in Organisationen
Die Resilienz eines Menschen ist unter diesem Aspekt ein hochkomplexes Konstrukt und umfasst Potentiale wie Emotionssteuerung, Empathie, Impulskontrolle, Kausalanalyse, realistischer Optimismus, Selbstwirksamkeit, Zielorientierung, Netzwerkorientierung, Vermeiden der Opferrolle, Übernahme von Verantwortung. Dieses psychologische Konstrukt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem intensiv erforschten und fruchtbaren Feld der wirtschaftspsychologischen Forschung entwickelt und findet auch in der psychologischen Praxis zunehmend Verbreitung und Anwendung.
Auch in der Wirtschaftspsychologie spricht man vermehrt von Resilienz, wobei sie hier die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen und Belastungen bezeichnet, also Anpassungsfähigkeit, Zielorientierung, Integrationsfähigkeit und Strukturerhalt wesentlichen Eigenschaften widerstandsfähiger Arbeitnehmer darstellen. Aus der Perspektive des Arbeitgebers vermindert hohe Resilienz Stress bei den Mitarbeiterinnen, stabilisiert deren Gesundheit und steigert ihre Produktivität. Bisher wurde Resilienz in der Psychologie eher als stabile personale Ressource verstanden, doch um das Konstrukt der Resilienz für die betriebliche Praxis zu nutzen und im Rahmen von Interventionen gezielt zu fördern, ist eine verhaltensnahe Konzeption von Resilienz notwendig. Zwar wurden schon bisher häufig Programme zur Steigerung von Resilienz angeboten, die Wirkungen sind jedoch oft bescheiden und fragwürdig. Das liegt auch daran, dass sich Organisationen zunehmend auf Teams stützen, um den Anforderungen komplexer Aufgaben gerecht zu werden, sodass eine bloße Aggregation individueller Effekte der Komplexität des kollektiven Phänomens der Team­-Resilienz nicht gerecht wird.
Resiliente Teams bzw. ganze Organisationen haben MitarbeiterInnen und Führungskräfte, die fähig sind, die Realität zu akzeptieren und anzupacken, wobei das Wertesystem resilienter Organisationen dabei als Halt in schwierigen Situationen dient, sodass die Arbeitnehmer in der Lage sind, zu improvisieren und alle ihre Ressourcen einzusetzen. Resilienz ist hier auch unter dem Aspekt der Kooperation zu betrachten, denn die Resilienz von Teams kann neben dem wiederholten Training kritischer Situationen vor allem durch die Verbesserung der Beziehung und Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern erhöht werden. Wichtig sind in diesem Kontext positive gemeinsam erlebte und ausgedrückte Emotionen wie Enthusiasmus, Optimismus, Zufriedenheit, Wohlbefinden und Entspannung, letztlich ein transformationaler Führungsstil, geteilte Führungsaufgaben im Team, gemeinsames Lernen und die Entwicklung einer gemeinsamen sozialen Identität.
Quelle: Mühlfelder, Manfred & Steffanowski, Andres (Hrsg.) (2015). Resilienz – Perspektiven und Konzepte aus der wirtschaftspsychologischen Forschung und Praxis. Wirtschaftspsychologie 4.

Online-Training zur Förderung der Resilienz und des Wohlbefindens bei der Arbeit
Im Rahmen des Verbundprojekts „Resilire – Altersübergreifendes Resilienz-Management“ wurde ein Online-Training zur Resilienzförderung entwickelt und in ersten Studien damit Erfolge erzielt. Mit zwölf Übungseinheiten, die jeweils nur fünf bis zehn Minuten dauern, ist das Online-Training bewusst zeiteffizient konzipiert. Bei der Entwicklung legte man besonderen Wert auf das Einüben und Reflektieren von Verhaltensweisen, die die Resilienz fördern, und verzichtet auf langatmige theoretische Abhandlungen und die übliche Litanei trockener Fakten. Stattdessen wurden praktischen Beispielen, ansprechenden Illustrationen und abwechslungsreichen Übungen viel Aufmerksamkeit geschenkt und entsprechend viel Platz eingeräumt.
 

In die Mailingliste eintragen

Nie wieder was verpassen

Coaching by Lebensfreudepur.com

2019-2026

bottom of page